Aron Höxter - Bibraer Lehrer


Aron Höxter wurde am 18. November 1892 in Treysa/ Hessen geboren. Sein Vater war Metzger. Als ausgebildeter Lehrer fand er 1913 eine Anstellung an der Bibraer Volksschule. Während des 1. Weltkrieges diente er im Deutschen Heer als Offizier. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz erster Klasse.
Am 4. Januar 1920 heiratete er in Bibra Paula Sachs.
Paula, geb. 1894 in Bibra, entstammte einer alteingesessenen Bibraer Familie. Die junge Familie Höxter wohnte im Wohnhaus, das an die Synagoge angebaut war. In diesem Haus wurden die beiden Kinder Margot (1920) und Sohn Günter (1925) geboren. Aron Höxter war, wie Tochter Margot im Jahr 2012 schrieb, in jeder Beziehung ein Bibraer. Er stand mit Rat und Tat jedem hilfesuchenden Einwohner zur Verfügung.
Noch in den 1990er Jahren dachten viele ältere Bi-braer Einwohner an das engagierte Wirken von Lehrer Höxter zum Wohle Aller und ganz besonders zum Wohle der Kinder. Er unterrichtete die Schüler in der Volksschule in den Fächern Mathematik, Formen-lehre, Geographie und Sport. Aron Höxter war Vorsitzender des Kriegervereins und hielt die jährlichen Gedenkreden am Kriegerdenkmal. Aktiv wirkte er im Sanitätsverein (DRK), in der Feuerwehr und im Sportverein mit. Mit den Mädchen und Frauen übte er Reigen ein und führte Regie beim Theaterspielen. Er spielte gut Geige,n und Klavier. „Er war unter dem Volk und hat überall mitgewirkt", so Hilda Erk, Bibra. Fotografien aus jener Zeit lassen erkennen, dass Bibraer unabhängig von der Konfession das gesellige Dorfleben gemeinsam gestalteten.
„Wiederherstellung des deutschen Beamtentums" und das Gesetz über das Schlachten der Tiere erlas-sen. Dies bedeutete für Herrn Höxter Berufsverbot.
Er wurde aus dem Schuldienst entlassen und durfte nicht menr schachten. Autgrund zahlreicher rroteste der Bibraer Bevölkerung konnte er vorübergehend bis 1934 als Lehrer weiterarbeiten. 1934 zog die Familie nach Marburg, wo Aron Höxter Direktor des Israelitischen Heilerziehungsheims wurde. Aufgrund der Deportation der Kinder wurde das Heim ge-schlossen. Familie Höxter zog nach Dresden, wo Herr Höxter an der jüdischen Schule unterrichtete.
Aron Hoxter mit seinen Schtllern.193y
1 Günther Höxter 2 Gerhard Sach.
S Mantreo Fronk 4 nerd nat
Aron Höxter und die DRK-Gruppe
„So lange Lehrer Höxter in Bibra war, hatten wir ein herrliches Zusammenleben mit abendlichem Zusammensein und gemeinsamen Lernabenden", schrieb Hedwig Joachimsthal, geb. Katz aus Israel. „Mein Vater und der evangelische Pfarrer Baumann von Bibra waren eng befreundet", sagte seine Tochter Margot. Gemeinsam lasen beide im Alten Testament.
Viele Bibraer baten Aron Höxter um Hilfe, wenn sie Schreiben und Anträge an Behörden aufsetzen wollten oder umständliche Formulare auszufüllen hatten.
Stets gab er bereitwillig sein Wissen weiter, ohne dass er davon profitiert hätte. Bei den jüdischen Metzgern Bibras übte Lehrer Höxter das Amt des Schächters aus. 


  OSKAR MEYER


Die Tragik eines bewundernswerten Menschen
Oskar Meyer wurde 1904 in Bibra geboren und lebte gerne in seinem Heimatort. In seiner Schulzeit erkrankte er an Kinderlähmung und blieb gelähmt. Er lernte in Meiningen den Beruf des Autoschlossers. Er betrieb eine Motorrad- und Fahrradwerkstatt in Bibra. Bewegen konnte er sich nur im Rollstuhl und mit Krücken. Er entwickelte sein Wissen und Können auf vielen Ge bieten. Trotz seiner Behinderung kletterte er auf Dächer, um Antennen zu installieren. Oft verlangte er kein Geld oder nur sehr bescheidene Beträge für seine Hilfeleistungen. Oskar war weit und breit für seine Hilfsbereitschaft bekannt. Obwohl er schwer behindert war, wurde er im November 1938 nach Buchenwald verschleppt. Sein Neffe Berthold stand ihm dort hilfreich zur Seite. Nach seiner Entlassung aus Buchenwald durfte er nach Bibra zurück, aber es wurde nur eine Heimkehr auf Zeit. Nach dem erteilten Berufsverbot fand er Arbeit bei Gotthard Feyser, Schmied in Bibra. 1939 starb seine Mutter. Sein Vater Joseph wurde im September 1942 deportiert. Im Februar 1943 kam die Nachricht, dass Oskar Meyer auch deportiert werden sollte. Damit war die Israelitische Gemeinde Bibra vernichtet, da Oskar Meyer der letzte noch hier lebende Jude war. Vermutlich wurde er im KZ Theresienstadt ermordet.
Ein ehemaliger Bibraer Bürger sagt, dass Oskar sich durch seine Bescheidenheit, seine uneigennützige Hilfsbereitschaft und Güte, durch seine Toleranz gegenüber jedermann und seine Standhaftigkeit auszeichnete.

 

Nachruf für Margot Natowitz

Am 17. Mai 2014 verstarb in New York Margot Natowitz in ihrem 94. Lebensjahr. Margot wurde am 20. September 1920 in Bibra als Tochter des geachteten Lehrers Aron Höxter und seiner Frau Paula, geb. Katz geboren. Im Kreis ihrer Familie und in der Dorfgemeinschaft hatte Margot eine unbeschwerte, fröhliche Kindheit in Bibra. Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, wurde diese glückliche Zeit jäh beendet.

1934 erhielt Lehrer Höxter Berufsverbot und musste mit seiner Familie Bibra verlassen. In einem jüdischen Kinderheim in Marburg fand er eine Anstellung. Nach der Schlie-Bung 1937 zog die Familie nach Dresden, wo Margot den jungen Lehrer Leonard Natowitz kennenlernte. Die beiden gingen in tiefer Zuneigung den Bund der Ehe ein. Die Dresdner Zeit war geprägt von täglich zunehmendem Ter-ror. Margot musste am 09. November 1939 erleben, wie ein entfesselter Mob die Synagogen anzündete und nie-derbrannte. Ihr Vater wurde nach Buchenwald verschleppt und kam nach fünfwöchiger Lagerhaft als gebrochener Mann zurück. Die für den 01. September 1939 vorgesehene Flucht der Familie aus Nazideutschland wurde im letzten Moment vereitelt. Margots Eltern wurden im Januar 1942 „abgeholt" und im KZ Stutthof bei Danzig von den Nazischergen ermordet. Margots Bruder Günter, der in einem Kinderheim in Holland geschützt werden sollte,

Gunter Hoxter als 16-Jähriger, ermordet mit 17 Jahren in Ausschwit

wurde nach Auschwitz verschleppt und dort, erst 17-jäh-rig, ermordet. Margot und ihr Mann Leonard mussten Zwangsarbeit leisten, bis sie 1942 nach Auschwitz - Birkenau verschleppt wurden. Als die Rote Armee vorstieß, wurde Margot mit vielen Mithäftlingen am 18. Januar 1945 aus dem KZ herausgetrieben. Sie konnte dem Todes-marsch entkommen und erreichte das zerstörte Dresden.

Dort nahm ihr die Begegnung mit einer Frau jede Zuver-sicht, jemals in Deutschland eine Existenz aufbauen zu können. Auf Margots Frage, wo Juden in Dresden zu finden seien, bekam sie mit höhnischem Lachen die Antwort:

„Es gibt keine Juden mehr, sie sind alle umgebracht". In Dresden fand Margot ihren Mann in gesundheitlich be-sorgniserregendem Zustand in einem Krankenhaus wieder.

Er konnte ebenfalls dem Todeslager entrinnen. Das Ehepaar verließ Dresden und wohnte eine Zeit lang in Berlin, wo 1948 ihr Sohn Allen geboren wurde. Familie Natowitz fand 1949 in den USA eine neue Heimat. 1992 traf in Bibra eine Karte von Margot Natowitz aus Brooklyn ein. So begann eine mehr als zwanzigjährige Freundschaft. Gerne empfing sie Besuch aus Deutschland. Ihre Gäste waren tief beeindruckt von Margots Würde, ihrer Gastfreundschaft, ihrer Herzlichkeit und von ihrem Humor, den sie sich trotz aller Demütigungen in der Hölle Auschwitz erhalten hat.

Ihr Tod ist ein unersetzbarer Verlust für alle Landsleute, die sie kennenlernen durften.

„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. 


,,Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren."


-Richard von Weizsäcker